Glossar

Verzeichnis und Erläuterungen zu häufig vorkommenden Flurnamen oder Wortbestandteilen.

Abedweid:
Zu jedem Alpbetrieb gehörte einst eine Abedweid, die am Abend, nach dem Melken genutzt wurde. Sie liegt jeweils unterhalb der Alphütte; so konnte das Vieh, welches aufwärts weidet, am Morgen in der Nähe der Hütte abgeholt werden.

Acher:
Viele der Ächer liegen so hoch, dass dort kaum etwas angebaut werden konnte. Das Wort hat in diesen Fällen noch die ursprüngliche, vom lateinischen agere abgeleitete Bedeutung: das Land, auf das das Vieh getrieben wurde.

Band, Bändli:
Ein horizontal verlaufendes, deutlich erkennbares Fels- oder Grasband. Früher z.T. als Pfad oder als Wildheuplatz benutzt.

Berg, Bergli:
Nur selten ist ein Berggipfel damit gemeint, sondern eine Bergliegenschaft oder ein Bergheimwesen mit Haus und Stall, das ganzjährig bewohnt war oder als Zweitwohnsitz im Sommer diente. Viele dieser Berg-Namen sind deshalb mit einem Familiennamen verbunden (Altmeberg), andere mit einer Lagebezeichnung (Oberbergli).

Blangge:
Ein mit Gras bewachsener Abhang, eine steile Halde. Von lateinisch planca, Brett.

Büchel, Büel:
Eine kleine Erhöhung, ein Hügel oder eine Anhöhe. Das Wort ist verwandt mit Bügel, Buckel, mittelhochdeutsch bühel.

Chamm, Chämmli:
Anders als der Name suggeriert und anders als anderswo gleicht in Engi ein Chamm nicht einem Haarkamm oder dem Kamm eines Hahnes; diese Orte heissen Grat. Ein Chamm ist ein eher flacher Rücken. Über eine andere Herkunft des Wortes, etwa von Kämme, einem hölzernen Halsband für Ziegen und Schweine, oder von Kummet kann nur spekuliert werden.
Manchmal wird auch eine unter dem Chamm liegende Alpweide nach ihm benannt.

Chol, Chöl:
Namen mit Chol sind Hinweise auf frühere Köhlereien, Plätze wo in Meilern Holz verkohlt wurde.

Egg:
Ein Geländevorsprung, Bergrücken, eine vorspringende oder lang gezogene Anhöhe.

Figler:
Eine Schutzhütte oder Heuhütte, ein Schweinestall. Von lateinisch foculare, Feuerstätte.

Gand:
Ein Lehnwort aus dem Rätoromanischen mit der Bedeutung Schuttfeld, Geröllhalde. Eine Gand ist eine mit Steinblöcken und Felstrümmern bedeckte Gegend.

Höfli:
Verkleinerungsform von Hof. Man nimmt an, dass Hofnamen darauf hinweisen, dass dort im Mittelalter der Zins gesammelt wurde.

Hoschtet, Höschtetli:
Manchmal als Hoschet und Höschetli ausgesprochen. Kurzwort zu Hofstatt. Ein dauernd bewohntes, meist im Tal liegendes Heimwesen mit Haus, Stall und Garten. Auch das Land darum herum kann so bezeichnet werden.

Laui:
Lawine, Lawinenzug, Lawinenhang. Von lateinisch labi, rutschen, und rätoromanisch lavina.

Matt:
Von Mahd, mittelhochdeutsch mâd, Mähen. Eine Mäh- oder Heuwiese.

Risi:
Eine Schutt- oder Geröllhalde. Plural Risene.

Ritt:
Ein Erdschlipf oder ein Rinne, in welcher Baumstämme gereistet, ins Tal hinuntergerutscht wurden. Von mittelhochdeutsch riten, sich fortbewegen, oder reisten, sprühen, anschüren, das in der Schweiz auch für hasten und sich herumtreiben gebraucht wurde.

Ruus, Rüüsli:
Runse und kleine Runse; meist Wasser führende Rinne, Rinnsal, Bachtobel.

Rüti:
Durch Reuten (mittelhochdeutsch riuten, verwandt mit Roden), durch Entfernen von Bäumen und Sträuchern urbar gemachtes Land. Das Gereutete kann auch Grüt oder Grütsch heissen.

Schwamm, Schwämmli:
Ein Schwamm ist ein geschwemmter, durch Abschälen der Rinde zum Absterben gebrachter Baum, oder ein Gebiet, das auf diese früher weit verbreitete Art gerodet wurde. Das Wort Schwamm bezeichnete damals alle porösen pflanzlichen Gebilde im weitesten Sinn.
Schwemmen wurde auch Schwenden genannt, welches von Schwinden hergeleitet wird; vgl. die Ortsnamen Schwanden und Schwändi. Die Lautverschiebung zwischen nd und mm ist aber nicht dokumentiert.

Stafel:
Von lateinisch stabulum, rätoromanisch stavel, eine Lagerstätte für das Vieh, ein Platz bei der Sennhütte auf der Alp.

Tros:
Von vorrömisch drausa, rätoromanisch drossa oder draussa, das sind Alpen- (Alnus incana) oder Grünerlen (Alnus viridis). Benennt ein Gebiet, das mit Erlen oder anderen Stauden überwachsen ist.

Weid, Weidli:
Weidefläche für das Vieh, meist an erhöhter Lage. Das Wort ist neueren Datums, es diente zur Unterscheidung von den Saaten oder vom Acker in der modernen Bedeutung, das heisst vom Land, auf dem etwas angebaut wurde.

Winggel:
Winkelförmiges Gelände, zugespitzte Fläche, Tälchen.

Wüschi:
Hier wurde im Herbst Laub zusammengewischt; es diente als Einstreue im Stall und zum Füllen von Matratzen und Bettdecken.

Zingge, Zindel:
Eine Berg- oder Felsspitze, ein spitz zulaufendes Gebiet. Zingge und Zindel lassen sich beide auf das lateinische dens, das rätoromanische dent und das germanische tind-kan, den Zahn zurückführen, der im Glarnerland, anders als im Deutschen und Rätoromanischen, den auslautenden Konsonanten nicht verloren hat und noch immer Zand heisst.

Zug:
Steile, schmale Rinne, Einschnitt im Gelände, durch den Lawinen ziehen (Lawinenzug) oder Bäume gezogen werden konnten.


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