Ursula Sigrist-Stauffacher

Erinnerungen an die Sernftalbahn.
Von Adelheid Baumgartner.

Es erzählt Ursula Sigrist-Stauffacher, *1930, Linthal. Das Interview wurde im April 2000 geführt.

Die Sernftalbahn gehörte zu meiner Jugend. Sie fuhr ganz nahe an unserem Haus vorbei, sozusagen mitten durch die Stube hindurch. Auch die Haltestelle Matt-Dorf war bei unserem Nachbarhaus, bei «ds Beggä». Wir betrachteten sie als «unsere Bahn».

Wollte der Vater einmal nach Glarus und war mit dem Umkleiden etwas im Rückstand, so musste eines von uns zwei Mädchen nach unten rennen und dem Kondukteur sagen, der Vater komme dann auch noch. Ich machte es zwar sehr ungerne, aber der Kondukteur wartete mit «Abpfeifen», bis mein Vater zum Türloch hinaushastete.

Haltestelle Matt-Dorf. Links hinten das Elternhaus von Ursula Sigrist.

Später, als ich in der Lehre war, konnte es auch sein, dass ich am Morgen spät dran war. Der Kondukteur Thes Baumgartner stellte sich jeweils schon mit einem Bein aufs Trittbrett, und sobald ich im Eilschritt zur Haustüre herauskam, gab er den Abfahrtspfiff. Er sagte zu mir: «Du musst es einfach am Abend vorher sagen, falls du nicht kommst, dann warten wir nicht. Wenn du nichts sagst, können wir einen Moment warten.» Eines Tages war ich aber so spät dran, dass die Bahn losfuhr. Als ich auf die Strasse rannte, war sie schon beim Friedhof. Da hielt der Wagenführer noch einmal an und wartete, bis ich angeeilt kam.

Weiter: Didi Blumer

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