Mathias Vögeli-Stauffacher
Von Adelheid Baumgartner.
Es erzählt Mathias Vögeli-Stauffacher, *1923, Rüti. Das Interview wurde am 26. April 2000 geführt.
Das erste Mal fuhr ich in der ersten oder zweiten Klasse mit der Sernftalbahn. Wir machten eine Schulreise nach Elm. Wenn die Bahn um die Kurven quietschte, stiess ds Begg-Esyse Meitli jedesmal Schreie aus. Es hatte Angst, die Bahn könnte entgleisen. Den grössten Eindruck machte mir aber damals ein dreieckiger Stein im Garten des Elmer Kurhauses, über den das Wasser hinunterlief und den man von hinten mit einer kleinen Leiter ersteigen konnte.
Dann kam ich viele Jahre nicht mehr ins Kleintal. Erst als ich die Ausbildung als Bergführer gemacht hatte und dann meine spätere Frau, ds Didi, kennenlernte, fuhr ich wieder mit der Sernftalbahn. Aber «dz Liecht» fuhr ich mit dem Velo nach Matt, denn man hatte nicht soviel Geld, dass man für jede Gelegenheit die Bahn benutzen konnte.
Später, als ich Wildhüter war und wir, nach vielen Jahren, endlich auch Anspruch auf Ferien hatten, ging ich, zusammen mit einem Ennendaner, während der Ferien ins Holz. So konnte ich etwas dazuverdienen. Wir bereiteten Holz im Sernftal, im Stock, auf. Damals reistete man die Baumstämme in die Kleintalstrasse hinunter. Das war recht gefährlich, denn einem Baumstamm kann man ja nicht befehlen, wohin er fahren soll; er kann eben nebenaus gehen. Einmal, als wir bei der Staffelrunse reisteten, fuhr ein Trämmel blitzartig nach unten und traf, hart neben dem Bahnwagen, der dort stand, eine Stange. Die Stange wurde durch den Trämmel abrasiert, und die Leitungen wurden abgerissen. Natürlich hatte der Bahnmeister Heiri Hämmerli keine Freude, und uns war es auch nicht recht. Da konnte es schon geschehen, dass man einander im ersten Schrecken «Schlötterlig» anhängte. Aber beide Seiten wussten, dass es nicht mit Absicht geschehen war, und man beruhigte sich wieder.
Die Sernftalbahn war für uns Holzer praktisch. Man kannte den Fahrplan, und der jeweilige Wagenführer pfiff jedesmal schon von weitem. So wussten wir, wann wir reisten durften und wann nicht. Als die Sernftalbahn verschwand, wurde das Reisten unmöglich. Es gab mehr Verkehr, und man brauchte unten zwei Aufpasser, die auch bezahlt werden mussten. Kaum wollten wir einen Stamm loslassen, kam von unten der Befehl «Heb auf!» So wurde das Reisten undurchführbar.
Weiter: Katharina Cadonau-DecurtinsBeiträge in dieser Serie
- Erinnerungen an die Sernftalbahn
- Kaspar Zentner-Furrer
- Kaspar Marti-Marti
- Die Bähnler
- Heinrich Elmer-Heer
- Fritz Vögeli-Marti
- Hildi Blumer-Lötscher
- Fritz Rhyner-Baumgartner
- Oswald Rhyner-Rhyner
- Ursula Sigrist-Stauffacher
- Didi Blumer
- Jakob Speich-Rhyner
- Didi Speich-Rhyner
- Marie Blumer-Rhyner und Elsbeth Rhyner
- Adelheid Baumgartner
- Hans Marti-Malacarne
- Jakob Kubli-Cia
- Leni Blumer-Altmann
- Mathias Vögeli-Stauffacher
- Katharina Cadonau-Decurtins
- Mathias Blumer-Baumgartner